Wie Sie Ihr Besteck halten und führen, sagt viel über Sie aus

Klärung der Begriffe:

  • Bei der sogenannten versteckten Griffhaltung hält man das Besteck in den Handflächen. Der Zeigefinger liegt dabei in der Mitte des Bestecks oben auf.
  • Bei der Stifthaltung halten Sie die Gabel oder den Löffel zwischen Daumen und Zeigefinger. Mittel-, Ring- und kleiner Finger sind unter dem Griff. Der Stiel liegt oben und nicht in der Hand. Das Messer wird nie wie ein Stift gehalten, es liegt immer in der Handinnenfläche.
Besteckhaltung Kontinentaleuropa

Besteckhaltung Kontinentaleuropa

In Kontinentaleuropa speisen wir mit der versteckten Griffhaltung. Die Gabel wird grundsätzlich mit den Zinken nach oben zum Mund geführt und das Messer zum Schneiden und zum Schieben benutzt. Nicht nur wenn man etwas auf die Gabel geschoben hat, sondern auch nach dem Spießen und Schneiden wird die Gabel in der Handinnenfläche gedreht und zum Mund geführt. Man behält während des Essens beide Hände am Besteck und somit oberhalb der Tischkante. In Mitteleuropa gilt es als äußerst unhöflich eine Hand während des Essens unterhalb der Tisches auf den Schoss zu legen, das Besteck nach Bedarf von links nach rechts zu wechseln oder damit zu gestikulieren.

Besteckhaltung UK

Besteckhaltung UK

In England spießt man nicht nur Fleisch, sondern auch die Beilagen auf die Gabel. Die Gabel zeigte also mit den Zinken immer nach unten. Das ist einer der Gründe, warum es in England beim Essen häufig sehr laut ist. Jeder stößt ständig mit der Gabel auf das Porzellan. Speisen, die nicht gespießt werden können – wie etwa Brei –, werden einfach auf festem Untergrund wie Fleisch oder mundgerechtes Gemüse geschichtet. Engländer essen also immer mit der versteckten Griffhaltung und nie mit der Stifthaltung.

Besteckhaltung USA

Besteckhaltung USA

In den USA schneidet man das Essen mit der versteckten Griffhaltung zuerst in mundgerechte Stücke. Dann legt man das Messer ab, um mit der Gabel in der rechten Hand zu essen. Die Gabel ist dabei in Stifthaltung. Die linke Hand liegt währenddessen auf dem Schoss. In der USA gilt die Regel: Messer werden nicht zum Schieben, sondern nur zum Schneiden benutzt.

In Lateinamerika hat man zwar meist beide Hände oberhalb der Tischkante, doch hält man das Messer links und die Gabel rechts. Der Grund: als Rechtshänder gabelt es sich mit rechts nun mal leichter.

Ausschließlich mit der versteckten Griffhaltung zu essen sieht etwas unbeholfen und unnatürlich aus. Es sei denn, man hat es von klein auf gelernt oder ist einfach ein Naturtalent. Deshalb kann man ruhig beide Methoden mischen:

  • Löffeln Sie mit der Stifthaltung
  • Halten sie das Messer beim Schneiden und Schieben in der versteckten Griffhaltung
  • Nach dem Spießen führen Sie die Gabel mit den Zinken nach unten mit der versteckten Griffhaltung zum Mund
  • Benutzen sie aber die Stifthaltung, nachdem Sie etwas auf die Gabel geschoben haben

Über Vera Reich

Vera Reich ist Expertin für alle Fragen rund ums gute Benehmen. In ihrem Blog "Knigge für Alle – was Viele nicht wissen" beantwortet sie häufige Fragen zum Thema Knigge, gutem Umgang und guter Kommunikation. Vera Reich ist von der IHK zertifizierte Knigge-Trainerin sowie Fördermitglied des Deutschen Kniggebund e.V. Sie bietet regelmäßig Knigge-Seminare für Sie oder Ihre Mitarbeiter an.

Ein paar Kommentare zu “Wie Sie Ihr Besteck halten und führen, sagt viel über Sie aus

  1. Stefanie Morawe

    Mein Mann und ich sind uns nicht einig, In welcher Hand man als Rechtshänder die Gabe hält, wenn man ohne Messer isst.
    Wir haben es schon geschafft unseren Sohn ganz zu verunsichern.

    Antworten
    1. Balder Fjorson

      An und für sich in der rechten Hand, sollte aber kein Aufsehen erregen wenn man mit der linken isst. Außerdem achten die wenigsten daraufund wissen zudem dan auch selten welche deine dominante Hand ist.

      Antworten
      1. Vera Reich Autor des Beitrags

        Sehr geehrter Herr Fjorson,

        wenn Sie nur Gabeln oder Löffeln, ist die rechte Hand die beste Wahl, behalten Sie die linke Hand oben auf dem Tisch. Linkshänder die nicht mit der rechten Hand essen können, nehmen die Gabel oder den Löffel erst in die linke Hand wenn sie zu essen beginnen. Nach dem essen wird das Besteck, auf zwanzig nach vier gelegt.
        Während dem essen werden die Besteckteile nicht hin und her gewechselt.
        Alles was Sie bei Tisch tun, wird wahrgenommen.

        Beste Grüße

        Vera Reich

        Antworten
    2. Vera Reich Autor des Beitrags

      Liebe Frau Morawe,

      entschuldigen Sie die verspätete Antwort. Suppen und Gabelgerichte, als Rechtshänder immer mit der rechten Hand.

      Beste Grüße

      Vera Reich

      Antworten
  2. Steffi Müller

    Ich sehe in letzter Zeit verstärkt eine Besteckhaltung, insbesondere der Gabel, die mich irritiert. Und zwar liegt beim Schneiden die Gabel auf dem Daumen auf, Zeige-, Mittel- und Ringfinger reihen sich auf der Oberseite entlang. Zum Essen bleiben die Finger so liegen und die Hand dreht sich Richtung Mund. Das sieht meines Erachtens sehr unbeholfen aus – aber ist es vielleicht nur eben nicht mitteleuropäisch? Die amerikanische Variante ist ja auch nicht „unsers“.

    Antworten
    1. Vera Reich Autor des Beitrags

      Hallo liebe Frau Müller,

      vielen lieben Dank für Ihre Anmerkung und die verständliche Erklärung.

      Ihre beschriebene Besteckhaltung kann ich keinem Land oder Kontinent zuordnen, habe sie aber auch schon mehrfach bemerkt. Sie wirkt, wie Sie sagen sehr unbeholfen.
      Meine persönliche Erklärung, ich kann aber falsch liegen.
      Es gibt Menschen die so einen Schreibstift halten, sie übertragen dies dann auf das Besteck. Ich empfehle, sich dies abzugewöhnen, falls man beim einem Geschäftsessen oder Date punkten will.

      Es gibt noch eine Gabelhaltung, von der ich abrate. Die Gabel in der Faust zu halten, wobei der Daumen am oberen Ende der Gabel ist.
      Hier vermute ich, dass das Elternhaus das Vorbild war.

      Meist zwingt einen nur ein einschneidendes Erlebnis, eine einem wichtige Person oder eine Beförderung dazu, sich selbst zu reflektieren und an sich zu arbeiten. Es schein sehr schwierig zu sein, sich umzugewöhnen.

      Knigge’s Motto war, nicht zu belehren sondern zu unterhalten, im weitesten Sinne mit gutem Beispiel voran zu gehen, in der Hoffnung eine ansteckende Wirkung zu hinterlassen.

      Danke noch einmal, für Ihren Beitrag.

      Vera Reich

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